Frankreich bei der WM 2026: Mbappés Griff nach dem zweiten Stern

Frankreichs Nationalmannschaft bei der WM 2026 — Finalist 2022 greift erneut nach dem Titel

An einem Dezemberabend 2022 im Lusail-Stadion stand Kylian Mbappé mit drei Toren im Finale und trotzdem ohne Pokal da. Dieser Moment — der Hattrick, der nicht zum Titel reichte — hat Frankreichs gesamten WM-Zyklus 2026 geprägt. Mbappé sprach danach davon, dass er „die WM 2026 brauche wie die Luft zum Atmen.“ Bei der Fußball-WM 2026 in Nordamerika wird sich zeigen, ob der teuerste Spieler der Welt dieses Versprechen einlösen kann.

Frankreich ist seit 2018 die dominierende Kraft im Weltfußball: Weltmeister 2018, Finalist 2022, Nations-League-Sieger 2021. Kein anderes Land hat in den letzten 8 Jahren eine vergleichbare Konstanz auf höchstem Turnierniveau gezeigt. Gleichzeitig befindet sich die Équipe Tricolore in einer Phase des Umbruchs, die Chancen und Risiken birgt. In meiner Analyse der frankreich wm 2026-Aussichten untersuche ich, ob die Mischung aus erfahrenen Champions und jungem Talent für den dritten Stern reicht.

Ladevorgang...

Frankreichs Qualifikation — souverän oder mit Schwächen?

Eine Szene aus dem vorletzten Qualifikationsspiel fasst Frankreichs Weg zur WM perfekt zusammen: 0:1 Rückstand in der 70. Minute, das Publikum im Stade de France wird unruhig — und dann dreht Mbappé das Spiel im Alleingang mit zwei Toren in 8 Minuten. Frankreich qualifizierte sich als Gruppensieger der UEFA-Qualifikation, aber der Weg dorthin war holpriger als erwartet.

Die Bilanz liest sich auf den ersten Blick überzeugend: 8 Siege, 1 Unentschieden und 1 Niederlage in 10 Gruppenspielen. 26 erzielte Tore bei 8 Gegentoren ergeben die drittbeste Tordifferenz aller europäischen Gruppen. Doch hinter den Zahlen verbergen sich Leistungsschwankungen, die bei einer WM zum Problem werden können. Drei der acht Siege fielen mit nur einem Tor Unterschied — gegen Gegner wie Griechenland und Gibraltar, die normalerweise deutlicher geschlagen werden sollten.

Der auffälligste Aspekt der Qualifikation war die Abhängigkeit von Mbappé. In 8 der 10 Spiele war er direkt an Toren beteiligt (12 Tore, 4 Assists). Ohne seine Beteiligung erzielte Frankreich nur 10 Tore aus dem Spiel heraus — eine Zahl, die für eine Mannschaft mit diesem Kader-Potenzial zu niedrig ist. Diese Mbappé-Abhängigkeit ist der zentrale Risikofaktor für die WM: Was passiert, wenn er in einem K.o.-Spiel einen schlechten Tag erwischt?

Defensiv zeigte Frankreich in der Quali die gewohnte Solidität. 8 Gegentore in 10 Spielen sind ein akzeptabler Wert, auch wenn die Null in keinem der letzten 5 Qualifikationsspiele gehalten werden konnte. Die Innenverteidigung um Dayot Upamecano und William Saliba funktionierte über weite Strecken, lief aber bei schnellen Angriffen über die Flügel gelegentlich hinterher. In der Nations League 2024/25 waren diese Defizite noch deutlicher sichtbar — die 1:3-Niederlage gegen Italien im Halbfinale war ein Alarmsignal, das Trainer Deschamps nicht ignorieren konnte.

Ein positiver Trend aus der Qualifikation: Frankreichs Standardstärke. 7 der 26 Tore fielen nach Ecken und Freistößen, wobei Saliba und Upamecano als Kopfball-Bedrohung hervorstachen. Mbappés Freistoß-Technik hat sich seit seinem Wechsel zu Real Madrid spürbar verbessert — 3 direkte Freistoßtore in der Saison 2025/26 belegen das. Bei einer WM, in der knappe K.o.-Spiele oft durch Standards entschieden werden, ist diese Waffe Gold wert. Frankreich hat bei den letzten beiden WMs jeweils mindestens 2 Tore nach ruhenden Bällen erzielt, und 2026 dürfte sich dieses Muster fortsetzen.

Kadertiefe und Schlüsselspieler — Mbappé, Tchouaméni und Co.

Wenn ich die Kader aller 48 WM-Teilnehmer vergleiche, kommt nur einer an Frankreichs Tiefe heran: England. Die Équipe Tricolore kann auf jeder Position mindestens zwei Weltklasse-Spieler aufbieten — ein Luxus, der im Turnierverlauf über 7 Spiele hinweg zum entscheidenden Vorteil wird. Verletzungen, Sperren und Formschwankungen treffen andere Mannschaften härter als Frankreich.

Kylian Mbappé ist das Gravitationszentrum. Nach seinem Wechsel zu Real Madrid im Sommer 2024 hat er seine Torquote weiter gesteigert — 28 Tore in La Liga in der laufenden Saison machen ihn zum Pichichi-Anwärter. Was Mbappé von anderen Superstars unterscheidet, ist seine WM-Erfahrung: Mit bereits 12 WM-Toren in zwei Turnieren (4 in 2018, 8 in 2022 inklusive Finale) ist er auf dem besten Weg, Miroslav Kloses Allzeit-Rekord von 16 Toren zu brechen. Im Alter von 27 Jahren befindet er sich im physischen und taktischen Zenit seiner Karriere.

Aurélien Tchouaméni, ebenfalls bei Real Madrid, hat sich zum besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt entwickelt. Seine Fähigkeit, Räume zu kontrollieren, Bälle zu erobern und den Spielrhythmus zu diktieren, gibt Frankreich im Zentrum eine Stabilität, die bei der WM 2022 noch fehlte. Neben ihm sorgt Eduardo Camavinga für die dynamische Komponente — ein Spieler, der von der Sechs bis zum Linksaußen alles spielen kann und damit taktische Flexibilität bietet, die kein anderes Team in dieser Form hat.

In der Offensive ergänzen Ousmane Dembélé und Randal Kolo Muani den Sturm. Dembélé hat bei PSG endlich die Konstanz gefunden, die ihm jahrelang fehlte — seine Dribbling-Erfolgsquote von 62% ist die höchste in der Ligue 1, und seine Fähigkeit, auf beiden Flügeln zu spielen, macht Frankreichs Angriff unberechenbar. Kolo Muani als zentraler Stürmer bringt Kopfballstärke und Laufbereitschaft mit, die Mbappé als alleiniger Neuner nicht liefern kann.

Die Abwehr verfügt mit William Saliba (Arsenal), Dayot Upamecano (Bayern München) und Jules Koundé (Barcelona) über drei Innenverteidiger, die in europäischen Top-Ligen Stammspieler sind. Salibas Entwicklung zum vielleicht besten Innenverteidiger der Premier League gibt Frankreich eine defensive Achse, die bei der WM 2022 noch nicht existierte. Theo Hernández auf der linken Seite bietet offensive Durchschlagskraft, die nur wenige Außenverteidiger weltweit erreichen — seine Tor- und Assist-Statistiken bei AC Milan übertreffen die meisten Mittelfeldspieler. Im Tor steht Mike Maignan, der bei Milan bewiesen hat, dass er auf dem Niveau von Courtois und Alisson operiert.

Was den Kader potenziell limitiert, ist die Frage der Chemie. Mbappés Abgang von PSG und die darauffolgende Spannung mit ehemaligen Teamkollegen — Dembélé blieb bei PSG, Kolo Muani wechselte — haben laut französischen Medienberichten zu Spannungen im Kader geführt. Deschamps‘ größte Aufgabe wird es sein, aus individueller Klasse ein funktionierendes Kollektiv zu formen. Bei der WM 2018 gelang ihm das meisterhaft; bei der WM 2022 war die Kabinenatmosphäre bereits angespannter.

Die Altersstruktur des Kaders ist nahezu ideal für ein WM-Turnier. Mbappé (27), Tchouaméni (26), Saliba (25) und Camavinga (23) bilden den jungen Kern, während Maignan (30), Koundé (27) und Hernández (28) die erfahrene Mitte repräsentieren. Kein Schlüsselspieler ist über 30 — ein massiver Vorteil gegenüber Gegnern wie Argentinien (Messi, Di María-Nachfolge), Kroatien (Modrić) oder Portugal (Ronaldo-Frage), die mit alternden Stars umgehen müssen. In einem 39-Tage-Turnier mit potenziell 7 Spielen in extremer nordamerikanischer Sommerhitze wird die physische Frische zum entscheidenden Faktor.

Deschamps‘ System — Umbruch oder Kontinuität?

Didier Deschamps wird bei der WM 2026 sein viertes großes Turnier als Frankreich-Trainer bestreiten — eine Amtszeit, die in der modernen Fußballgeschichte nur von Joachim Löw übertroffen wird. Seine Bilanz ist beeindruckend: WM-Titel, WM-Finale, EM-Finale, Nations-League-Sieg. Doch die Frage, ob Deschamps taktisch noch zeitgemäß ist, wird in Frankreich heiß diskutiert.

Das Grundsystem bleibt ein 4-3-3, das sich defensiv in ein 4-5-1 verschiebt. Deschamps‘ Philosophie war immer pragmatisch: defensive Stabilität zuerst, individuelle Klasse für die Tore. Dieser Ansatz hat funktioniert, solange die individuelle Klasse ausreichte — und mit Mbappé, Dembélé und Griezmann war das meistens der Fall. Die Herausforderung 2026 besteht darin, dass Griezmann seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hat und damit der taktische Klebstoff fehlt, der Deschamps‘ System zusammenhielt.

Ohne Griezmann muss Frankreich kreativer spielen. In der Quali experimentierte Deschamps mit einer Doppelsechs aus Tchouaméni und Camavinga, die offensiv mehr Freiheiten hat als das alte Dreier-Mittelfeld. Das Ergebnis war ein offensiveres, aber auch verwundbareres Frankreich — mehr Tore, aber auch mehr Gegentore. Für die WM wird Deschamps einen Mittelweg finden müssen: genug Kreativität, um Mbappé in Szene zu setzen, genug Stabilität, um gegen Top-Gegner zu bestehen.

Ein taktischer Trumpf, den Frankreich bei dieser WM ausspielen kann, ist die Geschwindigkeit der Umschaltangriffe. Mbappé, Dembélé und Camavinga gehören zu den schnellsten Spielern des Turniers — wenn Frankreich den Ball erobert, kann der Gegenangriff innerhalb von 5 Sekunden den gegnerischen Strafraum erreichen. In einem Turnier, bei dem viele Spiele taktisch geprägt und torarm sind, kann ein einziger schneller Konter das Spiel entscheiden. Bei der WM 2022 erzielte Frankreich 40% seiner Tore aus Umschaltsituationen — der höchste Wert aller Halbfinalisten.

Defensiv setzt Deschamps auf ein kompaktes Mittelfeld, das den Raum zwischen Abwehr und Sturm verengt. Die PPDA-Werte in der Qualifikation (11.2) zeigen, dass Frankreich kein aggressives Pressing betreibt, sondern den Gegner bewusst kommen lässt und dann im richtigen Moment zuschlägt. Dieser reaktive Ansatz steht im Kontrast zu Pressing-Teams wie Österreich oder Deutschland, die den Ball aktiv jagen. Gegen solche Gegner hat Frankreich historisch gut abgeschnitten — die Räume, die Pressing-Teams hinter sich lassen, sind genau die Räume, in denen Mbappé und Dembélé ihre Geschwindigkeit am besten ausspielen. Der taktische Matchup Frankreich gegen ein Pressing-Team ist für die Équipe Tricolore ein Vorteil, nicht ein Nachteil.

Gruppe I — Senegal, Norwegen und ein Playoff-Sieger

Drei Gegner, drei völlig unterschiedliche Herausforderungen — und trotzdem wird die Gruppe von den meisten Analysten als komfortabel für Frankreich eingestuft. Ich stimme zu, sehe aber in Senegal einen Gegner, der für eine Überraschung gut ist. Die Gruppenphase in Nordamerika findet unter Bedingungen statt, die europäische Mannschaften herausfordern: Hitze, Luftfeuchtigkeit und lange Anreisewege. Frankreich wird sich an diese Bedingungen anpassen müssen, während afrikanische Teams wie Senegal die klimatischen Verhältnisse als natürlichen Vorteil nutzen können.

Senegal ist seit dem Afrika-Cup-Titel 2022 eine feste Größe im Weltfußball. Auch nach dem Ende der Mané-Ära verfügt die Mannschaft über einen Kader mit europäischer Top-Liga-Erfahrung und einem taktischen System, das auf physischer Präsenz und schnellen Flügelangriffen basiert. Das Spiel Frankreich gegen Senegal wird kein Selbstläufer — bei der WM 2002 schlug Senegal die Équipe Tricolore im Eröffnungsspiel 1:0, eine Blamage, die in Frankreich noch immer präsent ist.

Norwegen bringt mit Erling Haaland den gefährlichsten Stürmer des Turniers mit. Haaland allein macht Norwegen noch nicht zum Titelkandidaten, aber in einem einzelnen Gruppenspiel kann er den Unterschied ausmachen. Ein Kopfball nach einer Ecke, ein Sprint hinter die Abwehr, ein abgefälschter Schuss — Haaland braucht nur einen Moment. Frankreichs Innenverteidiger werden gegen ihn ein körperliches Duell führen müssen, das in der Ligue 1 und La Liga selten gefordert wird. Martin Ødegaard als Kreativzentrum liefert Haaland die Bälle, und das norwegische Kollektiv hat in der Qualifikation gezeigt, dass es mehr ist als ein Ein-Mann-Team.

Der vierte Platz in der Gruppe geht an den Sieger des UEFA-Playoffs — aus dem Pfad mit Bolivien, Surinam, Irak. Unabhängig vom Sieger wird dieser Gegner der klare Außenseiter der Gruppe sein und für Frankreich eine Pflichtaufgabe darstellen, bei der Deschamps rotieren kann.

Mein Gruppen-Szenario: Frankreich wird die Gruppe mit 7 oder 9 Punkten als Erster abschließen. Der einzige realistische Stolperstein ist das Senegal-Spiel, das ich als 50:50-Partie sehe. Norwegen wird Frankreich fordern, aber die taktische Überlegenheit der Franzosen sollte den Ausschlag geben. Die Wahrscheinlichkeit eines Gruppenausscheidens liegt bei etwa 3% — Frankreich hat den tiefsten Kader der Gruppe und die meiste Turniererfahrung.

Für österreichische Fans, die nachts mitfiebern: Die Zeitverschiebung betrifft auch Frankreichs Spiele. Ein Anstoß um 21:00 ET entspricht 3:00 Uhr CEST — keine komfortable Uhrzeit, aber genau die Spiele, in denen der nordamerikanische Sommer für faszinierende Atmosphären in den Stadien sorgt. Die Spielorte für Gruppe I werden voraussichtlich im Osten der USA liegen, was Reisewege für Frankreich minimiert und dem Team erlaubt, sich auf das Fußballerische zu konzentrieren.

Frankreichs WM-Historie im Überblick

Frankreichs WM-Geschichte kennt zwei Epochen: vor 1998 und danach. Vor dem Heimturnier 1998, das Zidane und Co. mit dem ersten Titel krönten, war Frankreich bei Weltmeisterschaften ein Mitläufer mit gelegentlichen Höhepunkten — das Halbfinale 1958 mit Just Fontaines 13 Toren und das Halbfinale 1986 mit Platinis Generation als einzige Glanzlichter.

Seit 1998 hat sich das Bild komplett gewandelt: Weltmeister 1998 und 2018, Finalist 2006 und 2022, Viertelfinale 2014. In 7 WM-Teilnahmen seit 1998 hat Frankreich 5-mal mindestens das Viertelfinale erreicht — eine Konstanz, die nur Deutschland und Brasilien im selben Zeitraum vorweisen können. Der entscheidende Faktor dabei: Frankreich performt bei Turnieren regelmäßig über seinem Liga-Niveau, weil Deschamps und vor ihm Domenech und Jacquet es verstanden haben, individuelle Egos in ein funktionierendes System zu integrieren.

Für Wetter ist ein historisches Detail besonders relevant: Frankreich hat bei den letzten 3 WMs nie das Eröffnungsspiel verloren und in der Gruppenphase insgesamt 8 von 9 Spielen gewonnen. Die Équipe Tricolore ist ein langsamer Starter, der im Turnierverlauf stärker wird — ein Muster, das bei der Planung von Gruppenphase-Wetten berücksichtigt werden sollte. Das Eröffnungsspiel gegen Senegal oder den Playoff-Sieger wird kein Schützenfest, sondern ein kontrollierter 1:0- oder 2:0-Sieg.

Quoten auf Frankreich — lohnt sich die Wette?

Frankreich steht bei den meisten Anbietern als Topfavorit oder Co-Favorit auf den WM-Titel: Quoten zwischen 5.00 und 6.50 entsprechen einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 15–20%. In meiner eigenen Bewertung liegt Frankreichs reale Titelwahrscheinlichkeit bei 14–17% — nahe an der Quote, was den Gesamtsieger-Markt zu einer Wette mit minimalem Edge macht.

Wo sehe ich Value? Im Spielermarkt. Mbappé als WM-Torschützenkönig bei Quoten um 7.00–8.00 bietet die attraktivste Einzelwette auf Frankreich. Seine Tor-Quote in der Nationalmannschaft (0.68 Tore pro Spiel in den letzten 3 Jahren) ist die höchste aller WM-Teilnehmer, und Frankreich wird mindestens 5, wahrscheinlich 6 oder 7 Spiele bestreiten. Bei 7 Spielen und einer Tor-Quote von 0.68 läge die erwartete Ausbeute bei 4.8 Toren — genug für den Goldenen Schuh, wenn man berücksichtigt, dass der Sieger bei den letzten WMs zwischen 4 und 8 Toren lag.

Im Gruppensieger-Markt bietet Frankreich bei 1.35–1.50 keinen nennenswerten Value — die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 70%, was die Quote fair, aber nicht profitabel macht. Spannender ist der Markt „Frankreich erreicht das Finale“ bei Quoten um 3.50–4.00: Meine Einschätzung liegt bei 30%, was einer fairen Quote von 3.33 entspricht. Bei 4.00 wäre das ein leichter Value — allerdings nur, wenn man Frankreichs Turnierstärke höher gewichtet als die Kaderqualität auf dem Papier.

Für einzelne Gruppenspiele beobachte ich den Markt Frankreich gegen Norwegen. Haalands Präsenz wird die Quoten auf eine französische Null drücken, aber „Über 2.5 Tore“ in diesem Spiel bei Quoten um 1.80–1.90 ist attraktiv. Beide Mannschaften haben offensive Stärken, die auf Kosten der Defensive gehen, und die WM-Erfahrung zeigt, dass Spiele zwischen zwei offensiven Teams in der Gruppenphase überdurchschnittlich torreich sind.

Ein Markt, den ich bei Frankreich-Spielen generell beobachte, sind die Halbzeit/Endstand-Wetten. Frankreich unter Deschamps startet langsam — bei der WM 2022 lag das Team zur Halbzeit in 4 von 7 Spielen nicht in Führung. „Unentschieden zur Halbzeit, Frankreich gewinnt“ bei typischen Quoten zwischen 3.50 und 4.50 ist ein Muster, das sich bei den letzten beiden WMs regelmäßig ausgezahlt hat. Deschamps‘ Mannschaft analysiert den Gegner in der ersten Halbzeit und dreht dann in der zweiten Hälfte auf — ein Verhaltensmuster, das tief in der Spielphilosophie verwurzelt ist.

Frankreichs Weg — wie weit reicht es 2026?

Frankreich hat das Talent, das System und die Erfahrung, um die WM 2026 zu gewinnen. In meinem Power-Ranking steht die Équipe Tricolore auf Platz 1 oder 2 — gleichauf mit England, knapp vor Argentinien und Spanien. Die entscheidende Frage ist nicht ob Frankreich gut genug ist, sondern ob die internen Dynamiken stimmen.

Mein wahrscheinlichstes Szenario: Frankreich gewinnt Gruppe I souverän, übersteht das Achtelfinale ohne Probleme und trifft im Viertelfinale auf einen starken Gegner — möglicherweise Deutschland oder Portugal. In diesem Spiel entscheidet sich, ob Deschamps‘ pragmatischer Ansatz gegen einen taktisch ebenbürtigen Gegner funktioniert. Ich sehe eine 65%-Wahrscheinlichkeit für das Halbfinale und eine 35%-Chance für das Finale.

Was für Frankreich spricht: Die Kadertiefe ist bei diesem Turnier unerreicht. Auf der Bank sitzen Spieler wie Camavinga, Kolo Muani und Kingsley Coman, die bei den meisten WM-Teilnehmern Stammspieler wären. Im Turnierverlauf, wenn Ermüdung und Verletzungen einsetzen, wird dieser Vorteil immer größer. Zudem hat Frankreich unter Deschamps bewiesen, dass es K.o.-Spiele gewinnen kann — 10 Siege in 14 K.o.-Spielen bei großen Turnieren seit 2018 sind eine Bilanz, die kein anderes Land vorweisen kann.

Was gegen Frankreich spricht: Die Griezmann-Lücke im kreativen Mittelfeld, die Mbappé-Abhängigkeit und die Frage, ob Deschamps‘ taktischer Pragmatismus gegen moderne Pressing-Teams ausreicht. Die Nations-League-Niederlage gegen Italien hat gezeigt, dass Frankreich gegen schnelle, technisch versierte Gegner verwundbar ist. Wenn ein WM-Gegner Frankreich unter Druck setzt und Mbappé isoliert, fehlt der kreative Plan B. Hinzu kommt ein Faktor, den Statistiken nicht erfassen: Die öffentliche Erwartungshaltung in Frankreich ist enorm. Nach dem verlorenen Finale 2022 akzeptiert die französische Öffentlichkeit nichts weniger als den Titel — dieser Druck hat in der Vergangenheit bei der EM 2021 und dem WM-Aus 2014 seinen Teil zu enttäuschenden Ergebnissen beigetragen.

Die Reisebedingungen in Nordamerika verdienen bei Frankreich besondere Aufmerksamkeit. Die Équipe Tricolore wird mit einem riesigen Medientross anreisen, und die Abschirmung der Spieler vor medialer Ablenkung wird eine logistische Herausforderung. Bei der WM 2010 in Südafrika implodierte Frankreich unter dem Druck der Medien — ein Szenario, das mit Deschamps am Steuer unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich ist. Die nordamerikanische Zeitzone bedeutet zudem, dass französische Fans die Spiele zu später Stunde verfolgen — ein Faktor, der die Stimmung im Team nicht direkt beeinflusst, aber die mediale Begleitung verzerrt.

Frankreich ist bei der WM 2026 der Favorit, den man schlagen muss — aber nicht der sichere Gewinner. Für österreichische Wetter liegt der Value nicht im offensichtlichen Gesamtsieger-Markt, sondern in Mbappés Torjäger-Quote und in spezifischen Spielwetten, die Frankreichs offensive Stärke ausnutzen. Die detaillierte Einordnung aller 48 WM-Teams zeigt, warum Frankreich an der Spitze steht — und wo die Schwächen liegen, die den Titeltraum platzen lassen könnten.

Ist Frankreich der Topfavorit auf den WM-Titel 2026?

Frankreich teilt sich mit England den Status als Topfavorit. Mit Quoten zwischen 5.00 und 6.50 liegt die implizite Titelwahrscheinlichkeit bei 15-20%. Die Kadertiefe, Mbappés Torquote und Deschamps‘ Turniererfahrung machen die Équipe Tricolore zum Team, das jeder andere Favorit schlagen muss.

Wer sind Frankreichs wichtigste Spieler bei der WM 2026?

Kylian Mbappé ist der unbestrittene Superstar mit 12 WM-Toren in seiner Karriere. Aurélien Tchouaméni kontrolliert das Mittelfeld, William Saliba stabilisiert die Abwehr, und Ousmane Dembélé liefert kreative Impulse über die Flügel. Die Kadertiefe mit Camavinga, Kolo Muani und Coman auf der Bank ist bei dieser WM nahezu einzigartig.

In welcher Gruppe spielt Frankreich bei der WM 2026?

Frankreich ist in Gruppe I gelost mit Senegal, Norwegen und einem UEFA-Playoff-Sieger. Das Duell gegen Senegal birgt historische Brisanz (Niederlage im Eröffnungsspiel 2002), und Norwegen bringt mit Erling Haaland den gefährlichsten Einzelspieler der Gruppe mit.

Erstellt von der Redaktion von „WP TIPP 26“.