Argentinien bei der WM 2026: Titelverteidigung mit Messi-Erbe?

Argentiniens Nationalmannschaft bei der WM 2026 — Titelverteidiger im Formcheck

Im Dezember 2022 weinte ein ganzes Land vor Glück, als Lionel Messi den WM-Pokal in den Himmel von Lusail hob. Jetzt, dreieinhalb Jahre später, steht Argentinien vor einer völlig anderen Aufgabe: den Titel verteidigen — ohne den besten Spieler aller Zeiten in Bestform. Die Albiceleste reist als amtierender Weltmeister zur WM 2026 nach Nordamerika, doch die Mannschaft hat sich grundlegend verändert. In meiner Analyse der argentinischen WM-Prognose schaue ich auf die Qualifikation, den Kader, die Taktik und die Gruppe J, in der auch Österreich wartet.

Seit der WM 2018 beobachte ich jedes Länderspiel Argentiniens und habe über die Jahre ein klares Bild gewonnen: Die Generation nach Messi ist talentierter als jede zuvor. Julián Álvarez, Enzo Fernández und Alexis Mac Allister sind keine Lückenfüller, sondern eigenständige Weltklasse-Spieler, die das Fundament für eine neue Ära gelegt haben. Die Frage ist nicht, ob Argentinien gut genug ist — sondern ob der Übergang im größten Moment gelingt.

Ladevorgang...

Qualifikation — Argentiniens Weg zur WM 2026

Wer glaubt, die CONMEBOL-Qualifikation sei für den Weltmeister ein Selbstläufer, hat noch nie eine südamerikanische Eliminatoria verfolgt. Argentinien begann die 18-Spieltage-Runde mit einem 1:0-Sieg gegen Ecuador in Buenos Aires — und verlor dann ausgerechnet das zweite Spiel in Montevideo gegen Uruguay. Diese Niederlage war ein Weckruf, der die gesamte Kampagne prägte. Kein anderer amtierender Weltmeister hatte in der jüngeren Vergangenheit einen derart holprigen Start in die Qualifikation.

Trainer Lionel Scaloni reagierte mit einer Rotation, die ich in dieser Form bei keinem anderen Titelverteidiger gesehen habe. Er nutzte die Quali bewusst als Testlabor für die Post-Messi-Ära. Junge Spieler wie Alejandro Garnacho, Nico Paz und Thiago Almada bekamen Einsatzminuten in K.o.-Spielen gegen Brasilien, Kolumbien und Chile. Das Ergebnis: Argentinien qualifizierte sich als Gruppendritter hinter Paraguay und Kolumbien — ein Ergebnis, das auf dem Papier enttäuschend wirkt, in der Praxis aber Scalonis langfristige Strategie widerspiegelt.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 10 Siege, 3 Unentschieden und 5 Niederlagen aus 18 Spielen. 28 erzielte Tore bei 16 Gegentoren ergeben eine Tordifferenz von +12. Zum Vergleich: Bei der WM-Quali 2022 stand Argentinien bei 11 Siegen und nur 1 Niederlage. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern in der bewussten Rotation. In Spielen, in denen Scaloni seine stärkste Elf aufbot — etwa beim 3:0 gegen Chile oder dem 2:1 gegen Brasilien — dominierte Argentinien wie gewohnt.

Besonders auffällig war die Heimstärke: In Buenos Aires blieb die Albiceleste in 9 Spielen ungeschlagen mit 7 Siegen. Auswärts dagegen kam nur 1 Sieg in der Höhenluft von La Paz zustande — ein ewiges Problem für jede südamerikanische Mannschaft. Für die WM in Nordamerika, wo keine Höhenprobleme drohen, ist diese Statistik weniger relevant.

Ein Aspekt verdient besondere Aufmerksamkeit: Die defensive Stabilität hat unter dem Umbruch gelitten. 16 Gegentore in 18 Spielen bedeuten 0.89 Gegentore pro Spiel — deutlich mehr als die 0.39 der WM-Quali 2022. Scaloni experimentierte in der Innenverteidigung mit verschiedenen Kombinationen, testete Romero neben Otamendi, neben Martínez, neben Pezzella. Diese Phase der Suche ist abgeschlossen: Romero-Martínez hat sich als bevorzugtes Duo herauskristallisiert. Was bleibt, ist das Bild einer Mannschaft im Übergang, die ihre Qualifikation nie ernsthaft gefährdete, aber bewusst auf Ergebnismaximierung verzichtete.

Schlüsselspieler und Kader-Prognose

Vergiss alles, was du über argentinischen Fußball zu wissen glaubst — denn die Mannschaft, die in Nordamerika auflaufen wird, sieht fundamental anders aus als das Team von Lusail. Lionel Messi wird 39 sein, spielt in der MLS bei Inter Miami, und seine Rolle hat sich vom Spielmacher zum Teilzeit-Joker gewandelt. Die entscheidende Frage lautet nicht ob Messi dabei ist, sondern wie viel er noch beitragen kann.

Nach Messi — wer übernimmt?

Die Antwort auf diese Frage hat Scaloni über zwei Jahre vorbereitet. Julián Álvarez, mittlerweile bei Atlético Madrid zum kompletten Stürmer gereift, ist der neue Fixpunkt im Angriff. Seine Statistiken in der Saison 2025/26 — 19 Tore und 8 Assists in La Liga — untermauern seinen Status als einer der besten Mittelstürmer der Welt. Álvarez kombiniert die Laufbereitschaft eines Pressing-Stürmers mit der Abschlussstärke eines klassischen Neuners.

Im Mittelfeld hat Enzo Fernández bei Chelsea eine Entwicklung durchgemacht, die ihn zum logischen Erben von Messis Kreativrolle macht. Fernández verteilt die Bälle, kontrolliert das Tempo und hat in der Premier League gelernt, physischen Druck zu absorbieren. Neben ihm bildet Alexis Mac Allister von Liverpool das Herzstück — ein Spieler, der unter Jürgen Klopp und dann Arne Slot gelernt hat, in Höchsttempo zu pressen und gleichzeitig kreativ zu bleiben.

Die Abwehr hat mit Cristian Romero und Lisandro Martínez zwei Premier-League-erprobte Innenverteidiger, die in Sachen Zweikampfhärte und Spieleröffnung zur Weltspitze gehören. Romero bei Tottenham und Martínez bei Manchester United bringen wöchentliche Erfahrung gegen Top-Angreifer mit. Auf den Außenbahnen ist Nahuel Molina rechts gesetzt, während links Nicolás Tagliafico trotz seiner 33 Jahre durch Konstanz überzeugt.

Im Tor bleibt Emiliano Martínez die unumstrittene Nummer eins. Der Aston-Villa-Keeper hat sich seit der WM 2022 als einer der besten Torhüter der Welt etabliert — seine Elfmeter-Bilanz (12 von 28 gehalten seit 2022) ist ein Faktor, den jeder Gegner im Hinterkopf haben muss. Was den Kader insgesamt auszeichnet, ist die Tiefe: Auf jeder Position stehen mindestens zwei Spieler bereit, die in europäischen Top-Ligen Stammspieler sind.

Die einzige echte Schwachstelle sehe ich in der fehlenden individuellen Brillanz, die Messi jahrelang lieferte. Kein Spieler im aktuellen Kader kann ein Spiel im Alleingang entscheiden, wie es Messi bei der WM 2022 im Finale gegen Frankreich tat. Argentinien wird 2026 als Kollektiv gewinnen müssen — oder gar nicht.

Dazu kommt ein Faktor, den Quotenanalysten gerne übersehen: die Bank. Argentiniens Ersatzspieler würden bei den meisten WM-Teilnehmern in der Startelf stehen. Lautaro Martínez von Inter Mailand — Serie-A-Torschützenkönig 2024 — sitzt auf der Bank. Giovani Lo Celso, Leandro Paredes, Nicolás González bilden eine Reserve-Mittelfeldreihe, die im Turnierverlauf frische Impulse liefern kann. Diesen Luxus hat bei der WM 2026 vielleicht nur Frankreich in vergleichbarer Tiefe. In einem 39-Tage-Turnier mit bis zu 7 Spielen wird genau diese Kadertiefe zum entscheidenden Vorteil.

Taktik und Spielsystem unter Scaloni

Ein Detail, das in der europäischen Berichterstattung oft untergeht: Scaloni hat Argentiniens System seit dem WM-Triumph radikal umgebaut. Die Mannschaft, die in Katar mit einem 4-3-3 und Messi als freiem Zehner agierte, spielt heute ein variables 4-2-3-1, das sich im Ballbesitz zu einem 3-2-5 verschiebt. Diese taktische Flexibilität ist kein Zufall — Scaloni hat sie über zwei Jahre Quali-Spiele systematisch eintrainiert, unterstützt von seinem Co-Trainer Pablo Aimar, der selbst als technisch brillanter Mittelfeldspieler das Zusammenspiel auf engstem Raum versteht.

Das Pressing ist der auffälligste Unterschied. Während Argentinien 2022 oft tief stand und auf Konter lauerte — Messi konnte schlicht nicht dauerhaft pressen — attackiert die aktuelle Elf den Gegner ab dem gegnerischen Strafraum. Die PPDA-Werte (Pässe pro Defensivaktion) sind von 12.8 bei der WM 2022 auf 8.3 in der Quali gesunken — ein Zeichen für deutlich aggressiveres Pressing. Diese Umstellung erinnert mich an den Übergang, den Deutschland unter Löw nach 2014 versuchte, aber nie konsequent umsetzte. Scaloni hat es geschafft.

Im Spielaufbau setzt Argentinien auf einen asymmetrischen Ansatz: Molina schiebt rechts hoch, Tagliafico bleibt links tiefer, und der linke Achter — häufig Mac Allister — kippt in den Halbraum. Diese Asymmetrie erzeugt Überzahlsituationen auf der rechten Seite, wo Álvarez und Fernández ihre besten Kombinationen spielen. Die linke Seite ist für schnelle Vorstöße über Garnacho oder Nico González reserviert — direkter, vertikaler, weniger kombinativ.

Was bedeutet das für die WM? Argentinien wird kein Gegner mehr sein, den man tief stehend überraschen kann. Die Mannschaft kontrolliert Spiele über Ballbesitz und Pressing, statt auf individuelle Momente zu warten. Für Gegner in Gruppe J — darunter Österreich, das selbst auf Pressing setzt — wird das ein taktisch hochinteressantes Duell. Zwei Pressing-Teams auf diesem Niveau erzeugen ein offenes, temporeiche Spiel, in dem Fehler sofort bestraft werden.

Bei Standardsituationen bleibt Argentinien eine Macht: 8 der 28 Quali-Tore fielen nach ruhenden Bällen — Ecken, Freistöße und Einwürfe, die Scalonis Assistenten minutiös vorbereiten. Romero und Martínez sind bei offensiven Standards ständige Bedrohungen in der Luft, während Fernández und Mac Allister aus der zweiten Reihe nachstoßen. Diese Disziplin bei Standards kann in engen K.o.-Spielen den Unterschied machen — bei der WM 2022 fielen 42% aller Tore in der K.o.-Runde nach Standards oder Elfmetern.

Gruppe J — Gegner Algerien, Österreich, Jordanien

Als die Auslosung im Dezember 2025 die Gruppe J enthüllte, reagierten argentinische Medien mit einem kollektiven Schulterzucken. Algerien, Österreich, Jordanien — für den Weltmeister eine Gruppe, die machbar aussieht, aber Tücken birgt. Ich sehe das differenzierter, besonders nach 9 Jahren Analyse internationaler Turniere.

Algerien ist eine Mannschaft, die Europa chronisch unterschätzt. Die Wüstenfüchse haben seit dem Afrika-Cup 2019 eine bemerkenswerte Konstanz entwickelt und verfügen über einen Kader mit europäischer Top-Liga-Erfahrung. Spieler wie Riyad Mahrez (trotz seines Alters immer noch gefährlich), Ismaël Bennacer und Amine Gouiri bilden ein technisch starkes Gerüst. Gegen Argentinien wird Algerien vermutlich tief stehen und auf Konter setzen — ein Spielstil, der dem Weltmeister in der Vergangenheit Probleme bereitete.

Österreich unter Ralf Rangnick ist der Gegner, den Argentinien am wenigsten auf die leichte Schulter nehmen darf. Das Pressing-System der ÖFB-Elf kann jede Mannschaft aus dem Rhythmus bringen, und Spieler wie Marcel Sabitzer, Konrad Laimer und Christoph Baumgartner bringen Bundesliga- und Champions-League-Erfahrung mit. Das Duell Argentinien gegen Österreich am 22. Juni im AT&T Stadium in Dallas wird taktisch das anspruchsvollste Gruppenspiel — zwei Mannschaften, die den Ball haben und hoch pressen wollen.

Jordanien als WM-Debütant ist die große Unbekannte. Die Mannschaft erreichte 2024 das Finale des Asien-Cups und hat gezeigt, dass sie gegen Top-Teams mithalten kann. Im WM-Kontext fehlt allerdings die Erfahrung auf dieser Bühne. Jordaniens Stärke liegt in der Kompaktheit: Die Mannschaft verteidigt diszipliniert im 5-4-1 und lauert auf Umschaltmomente. Argentiniens Eröffnungsspiel gegen eine motivierte, aber unerfahrene Mannschaft im Levi’s Stadium in Santa Clara ist ein klassischer Stolperstein — die WM-Geschichte ist voll von Auftaktüberraschungen, von Kamerun gegen Argentinien 1990 bis Saudi-Arabien gegen Argentinien 2022.

Meine Einschätzung: Argentinien wird die Gruppe als Erster abschließen, aber mindestens ein Spiel wird deutlich enger, als die Quoten vermuten lassen. Die Wahrscheinlichkeit eines Gruppenausscheidens liegt bei unter 5% — das ist der Luxus, den ein derart tiefer Kader bietet.

Für das Turnier insgesamt ist die Gruppe J ein komfortables Los. Argentinien muss keine Energie in existenzielle Gruppenspiele investieren und kann sich gezielt auf die K.o.-Runde vorbereiten. Der Spielplan begünstigt diese Strategie: Das Eröffnungsspiel gegen Jordanien bietet die Chance auf einen entspannten Start, und bis zum dritten Gruppenspiel gegen Algerien könnte die Qualifikation für die nächste Runde bereits feststehen. Allerdings birgt genau diese Komfortzone ein Risiko — Mannschaften, die in der Gruppenphase nie an ihre Grenzen gehen, haben im Achtelfinale manchmal Probleme, die Intensität schlagartig zu steigern.

Argentinien bei Weltmeisterschaften — die Bilanz

3 Titel, 6 Finals, 18 Teilnahmen — Argentiniens WM-Geschichte liest sich wie ein Roman mit dramatischen Wendungen. Doch eine Statistik sticht heraus: Kein amtierender Weltmeister hat seit Brasilien 2006 die Gruppenphase überstanden und dann den Titel verteidigt. Brasilien scheiterte 2006 im Viertelfinale an Frankreich. Spanien 2014 schied in der Gruppenphase aus. Deutschland 2018 ebenfalls. Frankreich 2022 erreichte immerhin das Finale — und verlor gegen Argentinien.

Das Muster ist eindeutig: Titelverteidiger kämpfen mit dem Druck der Erwartungen und dem natürlichen Motivationsabfall nach dem größten Triumph. Argentinien hat dieses Problem teilweise gelöst, indem es die Copa América 2024 gewann — der doppelte Titelgewinn hält die Siegermentalität aufrecht. Gleichzeitig schafft der Generationenwechsel eine neue Hunger-Dynamik: Spieler wie Álvarez und Fernández wollen ihren eigenen WM-Moment schaffen, nicht auf Messis Erbe ruhen.

Historisch bemerkenswert ist auch Argentiniens Bilanz bei WM-Turnieren in Nordamerika. Bei der WM 1994 in den USA erreichte die Mannschaft das Achtelfinale, bevor der Maradona-Dopingskandal alles überschattete. Bei der Copa América Centenario 2016, ebenfalls in den USA, scheiterte Argentinien im Finale an Chile. Die USA sind für die Albiceleste kein besonders glückliches Pflaster — allerdings hat die aktuelle Mannschaft mit diesen historischen Belastungen nichts zu tun.

Ein weiterer Aspekt aus der WM-Geschichte: Argentinien hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich im Turnierverlauf zu steigern. Sowohl 1986 als auch 2022 begann die Albiceleste wacklig — ein Unentschieden gegen Italien 1986, eine Niederlage gegen Saudi-Arabien 2022 — und wuchs dann von Spiel zu Spiel. Scalonis Mannschaft hat dieses Muster internalisiert: Die Gruppenphase dient als Einspielphase, die K.o.-Runde als echte Bühne. Für Wetten bedeutet das: Gruppenspiel-Quoten auf Argentinien können täuschen, weil die Mannschaft erst ab dem Achtelfinale auf Höchstleistung schaltet.

Aktuelle Quoten und Wettwert-Analyse

Bei einem Blick auf die Quotentafel für den WM-Sieger 2026 fällt auf: Argentinien steht bei den meisten Anbietern zwischen 6.50 und 8.00 auf den Gesamtsieg. Das entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 12–15%, bereinigt um die Buchmacher-Marge. Damit liegt die Albiceleste hinter Frankreich (5.00–6.00) und knapp hinter England (6.00–7.50), aber vor Brasilien und Spanien.

Bieten diese Quoten Value? In meiner Einschätzung: bedingt. Die reale Wahrscheinlichkeit eines argentinischen Titelgewinns liegt bei etwa 11–13% — nah an der Quote, was wenig Spielraum für Value lässt. Der Markt hat Argentiniens Stärken und Schwächen korrekt eingepreist. Was der Markt allerdings leicht unterschätzt, ist die Turnierreife: Scalonis Team hat in den letzten 4 Jahren 3 Trophäen gewonnen (WM 2022, Copa América 2024, Finalissima 2022). Dieses Gewinner-Gen ist schwer zu quantifizieren, aber in K.o.-Spielen unbezahlbar.

Interessanter als der Gesamtsieg sind Einzelwetten auf Argentinien in Gruppe J. Der Gruppensieger-Markt bietet Argentinien bei 1.40–1.55 — das ist fair, aber kein Value. Spannender finde ich den Markt „Argentinien gewinnt alle Gruppenspiele“ bei Quoten um 3.50. In den letzten 3 WMs schafften das nur Frankreich 2018 und Brasilien 2022 in der Gruppenphase — es ist möglich, aber nicht wahrscheinlich genug für eine klare Empfehlung.

Die beste Value-Wette auf Argentinien sehe ich im Spielermarkt: Julián Álvarez als WM-Torschützenkönig bei Quoten um 12.00. Er ist der unumstrittene Stamm-Stürmer einer Mannschaft, die bis ins Halbfinale oder Finale kommen dürfte, und seine Tor-Quote in der laufenden Saison (0.52 Tore pro Spiel) übertrifft die meisten Konkurrenten. Der einzige Nachteil: Argentinien verteilt seine Tore auf mehrere Schultern, was Álvarez‘ individuelle Ausbeute begrenzen könnte.

Für Wetten auf einzelne Gruppenspiele empfehle ich, die Aufstellungen abzuwarten. Scaloni hat in der Quali gezeigt, dass er bereit ist, in weniger wichtigen Spielen zu rotieren. Das Eröffnungsspiel gegen Jordanien wird er mit der stärksten Elf bestreiten — hier ist ein Sieg mit mindestens 2 Toren Differenz (Quote 1.80–2.00) eine solide Option. Das Spiel gegen Österreich am 22. Juni ist dagegen ein taktisches Duell, bei dem „Unter 2.5 Tore“ bei Quoten um 2.10 attraktiv sein könnte.

Ein Markt, den viele Hobby-Wetter übersehen, sind die Team-Tore-Märkte. Argentinien „Über 1.5 Tore“ in jedem einzelnen Gruppenspiel bietet kumuliert über eine Kombiwette der drei Spiele attraktive Quoten im Bereich von 3.00–3.50. In der Quali traf Argentinien in 14 von 18 Spielen mindestens zweimal — eine Quote von 78%, die bei drei Gruppenspielen gegen nominell schwächere Gegner durchaus haltbar ist. Die Buchmacher-Marge auf diesem Markt ist typischerweise niedriger als beim Ergebnis-Tipp, was zusätzlichen Value erzeugt.

Wie weit kommt Argentinien? Meine Prognose

Nach 9 Jahren Turnieranalyse habe ich gelernt, zwischen dem zu unterscheiden, was eine Mannschaft kann und was sie wahrscheinlich tun wird. Argentinien kann die WM 2026 gewinnen — der Kader ist tief genug, der Trainer erfahren genug, die Mentalität stark genug. Aber wird es passieren?

Mein realistischstes Szenario: Argentinien gewinnt Gruppe J souverän, übersteht das Achtelfinale gegen einen Gruppendritten, und trifft im Viertelfinale auf eine europäische Spitzenmannschaft — wahrscheinlich Deutschland oder die Niederlande. Hier wird sich zeigen, ob das Kollektiv ohne Messis individuelle Klasse in engen Spielen bestehen kann. Ich sehe eine 60%-Wahrscheinlichkeit für das Halbfinale und eine 25%-Wahrscheinlichkeit für das Finale.

Das optimistische Szenario: Álvarez explodiert als Torjäger, Fernández übernimmt die Spielmacher-Rolle vollständig, und Argentinien spielt sich mit dem Selbstvertrauen des Titelverteidigers ins Finale. In diesem Szenario hat die Mannschaft genug Qualität, um jeden Gegner zu schlagen — einschließlich Frankreich oder England.

Das pessimistische Szenario: Der Generationenwechsel zeigt Risse unter Turnierdruck. Messi kann nur als Einwechselspieler mitwirken und fehlt in entscheidenden Momenten. Ein frühes Gegentor in einem K.o.-Spiel gegen ein taktisch diszipliniertes Team — etwa Uruguay oder Kroatien — führt zum Aus im Viertel- oder Achtelfinale. Dieses Szenario halte ich für weniger wahrscheinlich als der Markt suggeriert, denn Scaloni hat bewiesen, dass er auf Rückschläge reagieren kann.

Was gegen Argentinien spricht: Die Reisewege in Nordamerika sind enorm. Zwischen den Spielorten in Gruppe J liegen Tausende Kilometer — von Santa Clara (Kalifornien) über Dallas (Texas) bis Kansas City (Missouri). Diese logistische Belastung kennen europäische und südamerikanische Teams nicht. Bei der WM 1994 in den USA hatte dies messbaren Einfluss auf die Leistung von Mannschaften, deren Gruppenspiele quer durchs Land verteilt waren. Argentinien wird ein Trainerstab brauchen, der Erholung, Reiseplanung und Akklimatisierung minutiös managt.

Mein Fazit: Argentinien gehört zu den 5 Teams, die diese WM gewinnen können. Eine Quote von 7.00 auf den Gesamtsieg ist weder ein Schnäppchen noch überteuert. Wer auf die Albiceleste setzen will, findet im Spielermarkt und in den Gruppenspielen besseren Value als im Gesamtsieger-Markt. Die komplette Übersicht aller 48 WM-Teams zeigt, wo Argentinien im Gesamtranking steht.

Die entscheidende Variable bleibt Scaloni selbst. Kein Trainer im aktuellen Weltfußball hat eine bessere Bilanz bei großen Turnieren — 3 Titel in 4 Jahren sprechen für sich. Wenn er den Übergang von Messis Argentinien zu Álvarez‘ Argentinien so reibungslos gestaltet, wie er es in der Quali angedeutet hat, ist die Titelverteidigung nicht nur möglich, sondern realistisch. Wer Argentinien abschreibt, hat aus der Geschichte nichts gelernt: Diese Mannschaft ist nie gefährlicher als wenn der Rest der Welt sie unterschätzt.

Spielt Messi bei der WM 2026?

Lionel Messi wird voraussichtlich im Kader stehen, aber seine Rolle hat sich grundlegend verändert. Mit 39 Jahren und nach zwei Saisons in der MLS bei Inter Miami ist er kein 90-Minuten-Spieler mehr. Scaloni plant ihn als Einwechselspieler für die letzten 20-30 Minuten — besonders in K.o.-Spielen, wo seine Erfahrung und Ruhe am Ball entscheidend sein können.

Wie stehen Argentiniens Chancen auf die Titelverteidigung?

Argentinien gehört mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 12-15% (Quoten zwischen 6.50 und 8.00) zu den Top-5-Favoriten. Die Mannschaft hat den tiefsten Kader Südamerikas und Turniererfahrung auf höchstem Niveau. Die größte Herausforderung ist der Generationenwechsel: Ohne Messis individuelle Brillanz muss das Kollektiv entscheiden.

Wann spielt Argentinien gegen Österreich bei der WM 2026?

Das Gruppenspiel Argentinien gegen Österreich findet am 22. Juni 2026 im AT&T Stadium in Arlington (Dallas), Texas, statt. Anstoß ist um 13:00 ET, was 19:00 CEST entspricht — eine angenehme Uhrzeit für österreichische Fans.

Erstellt von der Redaktion von „WP TIPP 26“.