Belgien bei der WM 2026: Letzte Chance der goldenen Generation

Bei der WM 2018 in Russland stand Belgien 20 Minuten vom Finale entfernt, bevor Frankreichs Samuel Umtiti per Kopf den Traum zerstörte. Sechs Jahre und zwei enttäuschende Turniere später — EM-Viertelfinale 2021, WM-Gruppenphase 2022 — steht die belgische goldene Generation vor ihrem letzten Anlauf. Kevin De Bruyne ist 34, Romelu Lukaku 33, Thibaut Courtois 34. Die WM 2026 in Nordamerika ist ihre letzte realistische Chance, den Titel zu holen, der seit einem Jahrzehnt zum Greifen nah scheint. In meiner belgien wm 2026 Analyse bewerte ich, ob der Abend noch genug Licht für die Roten Teufel hat.
Ladevorgang...
Qualifikation und Generationswechsel
Belgiens Qualifikation verlief solider als die mediale Krisenberichterstattung vermuten ließ: 7 Siege, 2 Unentschieden und 1 Niederlage in 10 Spielen. 23 erzielte Tore bei 8 Gegentoren zeigen eine Mannschaft, die ihre Pflichtaufgaben erledigt, ohne zu glänzen — ein Profil, das bei einer WM besser funktioniert als in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Niederlage in Österreich — ein 1:2, das die defensive Verwundbarkeit gegen Pressing-Teams offenlegte — war der Tiefpunkt einer Kampagne, die vom ständigen Spagat zwischen Erneuerung und Ergebnisorientierung geprägt war.
Trainer Domenico Tedesco hat seit seinem Amtsantritt einen schrittweisen Generationswechsel eingeleitet. Eden Hazard ist zurückgetreten, Jan Vertonghen hat aufgehört, Toby Alderweireld ebenfalls. An ihre Stelle treten Spieler wie Jérémy Doku (Manchester City), Amadou Onana (Aston Villa) und Loïs Openda (RB Leipzig) — talentiert, aber ohne die Turniererfahrung, die Belgiens goldene Generation über ein Jahrzehnt auszeichnete. Die Qualifikation war für Tedesco ein Balanceakt: Die erfahrenen Stars (De Bruyne, Lukaku, Courtois) für die WM frisch halten und gleichzeitig die Jungen integrieren, ohne zu viele Punkte zu riskieren. In Spielen, in denen alle drei erfahrenen Stars gleichzeitig auf dem Platz standen, gewann Belgien 5 von 6 — ein Zeichen dafür, dass die Achse noch funktioniert, wenn es darauf ankommt.
Die Statistiken zeigen ein Team im Übergang. Belgiens Expected Goals pro Spiel fielen von 2.1 unter Roberto Martínez auf 1.7 unter Tedesco — ein Rückgang, der die reduzierte offensive Durchschlagskraft widerspiegelt. Gleichzeitig verbesserte sich die defensive Stabilität: Die Gegentore sanken von 1.2 auf 0.8 pro Spiel, was Tedescos pragmatischeren Ansatz belegt. Belgien spielt unter Tedesco weniger spektakulär, aber disziplinierter — ein Wandel, der bei einer WM mit K.o.-Spielen ein Vorteil sein kann. Die Frage ist, ob genug offensive Kreativität für die entscheidenden Momente übrig bleibt.
Die Abwehr wurde komplett neu aufgebaut. Wout Faes von Leicester City und Zeno Debast von Sporting Lissabon bilden die neue Innenverteidigung — beide unter 25, beide mit internationaler Erfahrung, aber ohne die Routine, die Alderweireld und Vertonghen über 10 Jahre WM-Erfahrung mitbrachten. Timothy Castagne rechts und Arthur Theate links komplettieren eine Viererkette, die in der Qualifikation funktionierte, aber gegen WM-Kaliber-Angriffe noch nicht getestet wurde. Tedescos größte Sorge ist die Phase zwischen Pressing-Verlust und defensiver Ordnung: In diesen 3–5 Sekunden, wenn der Gegner den Ball erobert und umschaltet, fehlt der Abwehr die Geschwindigkeit, um Konter abzusichern.
De Bruyne, Doku — wer führt Belgien?
Kevin De Bruyne bleibt Belgiens wichtigster Spieler — auch mit 34 Jahren. Seine Fähigkeit, mit einem Pass die gesamte gegnerische Abwehr zu zerlegen, ist bei der WM 2026 so selten wie ein Schneesturm in der Sahara: Vielleicht 3 oder 4 Spieler weltweit können das auf seinem Niveau. In der Premier League 2025/26 hat De Bruyne bei Manchester City trotz reduzierter Einsatzminuten 8 Tore und 14 Assists geliefert — Zahlen, die seine Klasse belegen, auch wenn die Trainingsbelastung sorgfältig dosiert wird. In der Qualifikation war De Bruyne an 10 der 23 Tore direkt beteiligt — eine Beteiligung von 43%, die seine zentrale Bedeutung unterstreicht und gleichzeitig die Abhängigkeit des Teams von einem einzelnen Spieler offenlegt. Die kritische Frage: Hält sein Körper ein 39-Tage-Turnier mit potenziell 7 Spielen durch? Seine Verletzungshistorie der letzten drei Jahre — Oberschenkelprobleme, Leistenprobleme, mehrmonatige Ausfälle — gibt keinen Anlass für Entwarnung. Tedesco wird De Bruyne managen müssen wie ein wertvolles Instrument: sparsam einsetzen in der Gruppenphase, volle Power in der K.o.-Runde. Ein Plan B ohne De Bruyne existiert auf dem Papier, aber in der Praxis fehlt jeder Ersatz seine einzigartige Fähigkeit, das Spiel zu lesen und mit einem Pass zu verändern.
Jérémy Doku ist das aufregendste Talent im belgischen Kader und der Spieler, der De Bruynes kreative Last mittelfristig übernehmen soll. Bei Manchester City unter Guardiola hat Doku gelernt, seine explosive Schnelligkeit in ein taktisches System zu integrieren — statt blindlings zu dribbeln, wählt er jetzt den richtigen Moment für den Sprint in die Tiefe. 9 Tore und 11 Assists in der Premier League zeigen seine Entwicklung vom reinen Dribbler zum kompletten Flügelspieler. In der Nationalmannschaft ist Doku mit 23 Jahren bereits der gefährlichste Angreifer nach De Bruyne — und bei der WM könnte er zum Breakout-Star des Turniers werden.
Romelu Lukaku steht vor seinem möglicherweise letzten großen Turnier. Der Stürmer hat bei seinem aktuellen Klub weiterhin eine beeindruckende Tor-Quote (0.55 pro Spiel), aber seine Beteiligung am Aufbauspiel hat abgenommen. Lukaku ist ein Strafraumstürmer geworden — effektiv, aber limitiert. Bei der WM 2022 traf er gegen Kroatien dreimal den Pfosten und verschoss mehrere Großchancen — ein Traumaerlebnis, das seine WM-Bilanz prägt. Neben ihm bieten Loïs Openda von RB Leipzig und Charles De Ketelaere jüngere Alternativen, die mehr Pressing und Bewegung einbringen. Opendas Schnelligkeit und Laufbereitschaft passen besser zu Tedescos System als Lukakus statische Spielweise, aber Lukakus Erfahrung in Drucksituationen und seine Kopfball-Stärke bei Standards sind Argumente, die schwer zu ignorieren sind. Die Entscheidung Lukaku vs. Openda wird den Charakter von Belgiens Angriff prägen: Erfahrung und Tor-Instinkt oder Jugend und Mobilität.
Amadou Onana im Mittelfeld hat sich bei Aston Villa zum physisch dominantesten Sechser der Premier League entwickelt. Seine 1.95m Körpergröße, gepaart mit überraschender Wendigkeit, machen ihn zum idealen Partner für De Bruyne: Onana erobert Bälle und gibt sie an den Spielmacher weiter. Im Tor steht Thibaut Courtois, der nach seiner Kreuzband-Verletzung bei Real Madrid wieder auf Weltklasse-Niveau operiert. Seine Reichweite und sein Stellungsspiel machen ihn zu einem der 3 besten Torhüter des Turniers — ein Vorteil, der in K.o.-Spielen den Unterschied ausmachen kann.
Gruppe G — Ägypten, Iran*, Neuseeland
Die Gruppe G ist auf dem Papier die leichteste, die Belgien bei einem großen Turnier je gezogen hat. Doch die Unsicherheit um Irans Teilnahme — das Land erwägt einen Rückzug aufgrund des militärischen Konflikts mit den USA als Gastgeberland, eine Entscheidung wird bis zum FIFA-Kongress am 30. April erwartet — macht die Gruppenplanung unberechenbar. Im Falle eines iranischen Rückzugs würde ein Ersatzteam nachrücken, wahrscheinlich die VAE oder der Irak, die beide in der asiatischen Qualifikation knapp gescheitert sind. Dieser Unsicherheitsfaktor erschwert Belgiens Vorbereitung: Gegen Iran hätte Tedesco auf ein diszipliniertes, defensives 5-4-1 vorbereiten müssen, während die VAE oder der Irak andere taktische Profile mitbringen würden.
Ägypten ist der stärkste Gruppengegner — unabhängig davon, wer den vierten Platz besetzt. Mohamed Salah, mittlerweile 34, bleibt einer der gefährlichsten Angreifer im Weltfußball, und seine Erfahrung bei Liverpool gibt ihm die taktische Reife, die bei einer WM entscheidend ist. In der afrikanischen Qualifikation war Salah mit 8 Toren der Top-Torschütze Ägyptens und hat bewiesen, dass er für sein Land genauso effektiv ist wie für seinen Klub. Das Duell De Bruyne gegen Salah — zwei Premier-League-Legenden in einem WM-Gruppenspiel — wird eines der Highlights der ersten Turnierphase. Ägyptens Defensive um Mahmoud Trezeguet und die junge Generation wird Belgien vor eine physische Herausforderung stellen, die in der Qualifikation gegen europäische B-Nationen nicht getestet wurde. Die Pharaonen spielen ein kompaktes 4-5-1, das auf Konter und Salahs individuelle Klasse setzt — ein Spielstil, der Belgiens offensivem Aufbauspiel den Raum nimmt und Fehler im Pressing brutal bestraft.
Neuseeland als klarer Außenseiter der Gruppe wird versuchen, mit physischer Intensität und taktischer Disziplin zu überraschen. Die All Whites haben über die OFC-Qualifikation das Ticket gelöst und bringen einen Kader mit, der teilweise in europäischen und australischen Ligen spielt. Chris Wood von Nottingham Forest ist mit über 30 Jahren der erfahrenste Spieler und Torjäger — seine Premier-League-Erfahrung gibt Neuseeland einen Anker, um den sich das Spiel aufbauen lässt. Für Belgien ist dieses Spiel eine Pflichtaufgabe, die mit mindestens 3:0 erledigt werden sollte — aber die WM-Geschichte kennt Beispiele, in denen Außenseiter durch Leidenschaft und einen Sahnetag des Torhüters Favoriten auf dem falschen Fuß erwischt haben.
Mein Gruppen-Szenario: Belgien wird die Gruppe mit 7 oder 9 Punkten als Erster abschließen. Die Wahrscheinlichkeit eines Gruppenausscheidens liegt bei unter 3% — selbst in einer Schwächephase hat Belgien genug individuelle Qualität, um Ägypten, Iran/Ersatzteam und Neuseeland zu bezwingen. Der Gruppensieger-Markt bei Quoten um 1.40–1.55 bietet minimalen Value — die Wahrscheinlichkeit von 70–75% ist fair eingepreist.
Quoten auf Belgien — noch ein Geheimfavorit?
Belgien steht bei Quoten zwischen 20.00 und 30.00 auf den WM-Titel — eine implizite Wahrscheinlichkeit von 3–5%. In meiner Bewertung liegt die reale Titelwahrscheinlichkeit bei 3–4%, was die Quote insgesamt fair macht. Die Zeiten, in denen Belgien als „Geheimfavorit“ gehandelt wurde, sind vorbei: Die goldene Generation hat ihre beste Phase hinter sich, und der Kader hat nicht mehr die Tiefe von 2018. Was sich im Gesamtsieger-Markt zeigt, ist eine typische Überbewertung durch Nostalgie — Wetter erinnern sich an Belgiens Halbfinale 2018 und setzen aus sentimentalen Gründen, nicht aus analytischen. Für nüchterne Quotenanalysten ist Belgien kein Gesamtsieger-Pick.
Der einzige Markt, in dem ich Value sehe, ist „Belgien erreicht das Viertelfinale“ bei Quoten um 2.20–2.50. Mit der leichtesten Gruppe des Turniers und einem wahrscheinlichen Achtelfinale gegen einen Gruppendritten liegt die Viertelfinal-Wahrscheinlichkeit bei 50–55% — deutlich höher als die implizite Quote suggeriert. Die Rechnung ist einfach: Gruppenausscheidung unter 5%, Achtelfinale-Niederlage bei etwa 40%, Viertelfinal-Einzug bei 55%. Bei einer Quote von 2.50 ergibt das einen Edge von über 35%. Ab dem Viertelfinale wird es für Belgien allerdings extrem schwierig: Gegen Frankreich, Spanien oder Argentinien fehlt die Kadertiefe für einen Sieg über 90 oder 120 Minuten.
Im Spielermarkt empfehle ich De Bruyne als „Top-Vorlagengeber“ bei Quoten um 6.00–8.00 — seine Assist-Quote in der Nationalmannschaft (0.52 pro Spiel) ist die höchste aller WM-Teilnehmer, und Belgiens System ist auf seine Schlüsselpässe ausgerichtet. Doku als „WM-Überraschungsspieler“ wäre bei hohen Quoten ebenfalls ein interessanter Flyer.
Belgiens letzte Chance — wie weit reicht es?
Belgien bei der WM 2026 ist ein Team, das sein Ablaufdatum kennt. De Bruyne, Lukaku und Courtois bestreiten ihr letztes großes Turnier, und die Motivation dieser Spieler, endlich einen Titel zu holen, ist ein Faktor, den Statistiken nicht erfassen können. Die WM 2018 hat gezeigt, dass diese Spieler auf der größten Bühne liefern können — das Halbfinale damals war keine Eintagsfliege, sondern das Produkt von jahrelanger gemeinsamer Entwicklung. Die Frage ist, ob die Beine noch mitmachen, was das Herz will. Gleichzeitig ist der Kader nicht mehr tief genug für einen 7-Spiele-Marathon — Belgiens Bank bietet bei Weitem nicht die Qualität von Frankreich oder England.
Mein wahrscheinlichstes Szenario: Gruppensieg, Achtelfinalsieg, Viertelfinal-Aus gegen einen Top-Favoriten. Ich sehe eine 50%-Wahrscheinlichkeit für das Viertelfinale und eine 15%-Chance für das Halbfinale. Das optimistische Szenario — De Bruyne dreht das Turnier seines Lebens, Doku explodiert als Offensivwaffe, Courtois hält alles — ist möglich, aber nicht wahrscheinlich genug für eine Gesamtsieger-Wette. Der Reiz liegt im Moment: Wenn De Bruyne im Viertelfinale gegen Frankreich oder Spanien einen seiner magischen Abende hat, kann alles passieren.
Für österreichische Wetter bietet Belgien den besten Value in den Progressionsmärkten — insbesondere das Viertelfinale bei 2.50 ist der attraktivste Einzelmarkt. Die vollständige Teamübersicht ordnet Belgien auf Platz 8–10 ein — stark genug für die K.o.-Runde, aber nicht mehr der Geheimfavorit, der sie vor 8 Jahren waren.
Ist Belgiens goldene Generation noch konkurrenzfähig?
Die goldene Generation (De Bruyne, Lukaku, Courtois) ist im Herbst ihrer Karriere, hat aber bei dieser WM noch einmal die Qualität, das Viertelfinale zu erreichen. Die Kadertiefe hat im Vergleich zu 2018 nachgelassen, und der Generationenwechsel mit Doku, Onana und Openda ist noch nicht abgeschlossen. Für den Titel reicht es nicht mehr, aber für eine respektable WM-Leistung sind die Roten Teufel gut genug.
In welcher Gruppe spielt Belgien bei der WM 2026?
Belgien ist in Gruppe G mit Ägypten, Iran (Teilnahme unsicher) und Neuseeland gelost. Die Gruppe gilt als eine der leichtesten des Turniers. Das Ägypten-Spiel mit dem Duell De Bruyne gegen Salah ist das Highlight.
Erstellt von der Redaktion von „WP TIPP 26“.
